“Es gibt zwei Arten des Glücksspielers”, erklärt der Erzähler von Dostoevskis Novelle “Der Spieler” – “Einer, der Gentleman ist und ein anderer, der vulgär und Söldner ist”. Der Held von “Die Anatomie eines Spielers”, Jonathan Lethems 10. Roman, gehört zur Gentleman-Sorte. Mit einem Smoking und einem Backgammon-Set bereist Alexander Bruno die Welt, trifft wohlhabende “Wale”, “raubt sie in Clubs und in privaten Salons aus und gleitet dann wie ein Messer durch ihre Vier-Sterne-Ausstattung.”

Sein Glück hat sich jedoch kürzlich geändert. Zuerst löst eine überraschende Begegnung in Singapur mit einem ungläubigen Schulfreund – „Du spielst die besten live Casino Spiele ?” – einen Kokain-Kampf in einem palastartigen Hotel aus, der in einem seltsamen Schandfleck auf Brunos Sicht und einer katastrophalen Niederlage endet. Um seine Verluste wieder hereinzuholen, fliegt Bruno nach Berlin, um sich mit “einem potenziell historischen Wal” zu streiten, aber statt reicher wegzugehen, erschrickt er und wacht mit einem lebensbedrohlichen Tumor im Krankenhaus auf.

Lethem hat eine surreale Signatur, die in vielen seiner Kurzgeschichten auffällt. Wie bei dem magischen Ring in “Die Festung der Einsamkeit” (2003), ist die Verrücktheit in Lethems neuem Roman eher tangential als zentral, was Episoden hervorhebt und nicht das ganze Geschehen durchdringt. Ein Hendrix-liebender Neurochirurg oder “Rock Doc” schnitzt Brunos Gesicht, setzt es wieder zusammen und bespricht mit seinem OP-Team sexuelle Fetische.

Solch eine Ausgelassenheit kann extrem witzig sein. Lethems Hauptteil in Berkeley, der überzeugendste Teil des Romans, ist eine mühelose Mischung aus Comic-Hijinks und verrückter Tragödie. Bruno interagiert mit einer Schurkengalerie von Anarchisten und Hipstern, findet sich wieder mit einer deutschen Domina zusammen und lernt auf die harte Tour, dass der Freund, der ihn gerettet hat, eine düsterere Agenda hat.

Der Roman mag leichter sein als sein radikal-politischer Vorgänger “Dissident Gardens” (2013), ist aber keineswegs schaumig. Lethem bietet einen ausdrucksstarken, stylischen, unerbittlich unterhaltsamen Roman, der uns in ruhigeren Momenten dazu auffordert, darüber nachzudenken, ob wir unser eigenes Glück schaffen und wie wir am besten mit dem umgehen, was uns das Leben beschert.